Der rheinische Karneval, so wie wir ihn heute kennen, ist eine bürgerliche Errungenschaft – und zugleich ein Vorläufer moderner Eventkultur. Zwar fußt der Karneval in deutschen Landen auf mittelalterlichen Traditionen, nahm aber erst im 19. Jahrhundert seine militärparodistischen Ausdrucksformen an. Im Jahr 1822 schließlich wurde der Karneval in Köln gleichsam neu erfunden und zu einem “Event” des Bürgertums ausgestaltet. Details zu diesem Entwicklungsprozess lassen sich in dem Karnevalslexikon www.fasching-karneval.net nachlesen.
Die Reform des Karnevals von 1822 war eine Idee – ja eine Forderung – der preußischen Besatzungsmacht. Misstrauisch beäugten die Machthaber, die Köln seit 1815 besetzt hatten, die nach ihrem Eindruck wilden Umtriebe des Karnevals. Vor allem die alte Karnevalstradition, die Staatsmacht und den Klerus ungestraft auf die Schippe zu nehmen, musste den Preußen suspekt vorkommen. Wenn sie das Narrentum schon nicht verbieten konnten, so wollten sie ihn doch in geregelte Bahnen lenken. Zu dieser Strategie gehörte es auch, das Bürgertum statt des einfachen Volkes für den Karneval zu begeistern.
Um einen reformierten Karneval mit festen Regeln und Ritualen zu entwickeln, wurde ein “Festordnendes Comité” ins Leben gerufen, der Vorläufer der heutigen Festkomitees. Bereits im Jahr 1823 zog der erste Rosenmontagszug durch die Kölner Straßen – heute ein international bekanntes, minutiös inszeniertes Event, das von den deutschen Fernsehkameras und einer Million Zuschauern vor Ort verfolgt wird. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts blüht die rheinische Karnevalskultur auf und fächerte fast den ganzen Kanon seiner Bräuche auf: von der Prunksitzung über die Tanzgarden bis zu den Organisationsstrukturen im Hintergrund, die ein Event dieser Dimension erst möglich machen.





