Welche Stilrichtungen umfasst Ihr Portfolio?
Ich bin davon überzeugt, dass es in jedem Genre herausragende Tracks gibt, die es wert sind, gespielt zu werden. Schon immer hielt ich Ohren und Geldbeutel offen für sämtliche Musikrichtungen. Daher war mein Repertoire von Anfang an sehr breitgefächert, auch als die Beschaffung noch nicht so unkompliziert war wie heute.
Ein monothematischer Abend kann interessant sein, aber sofern mir der Kunde freie Hand lässt, kombiniere ich in meinen Sets am liebsten Songs möglichst unterschiedlicher Stile zu einem spannenden Ganzen.
Was genau macht Ihrer Meinung nach einen guten DJ aus – was gehört zum Standard?
Am wichtigsten ist sicher die Liebe zur Musik und die Bereitschaft, sich auf sein jeweiliges Publikum einzustellen, den Leuten eine möglichst gute Zeit bereiten zu wollen. Ich lege außerdem großen Wert auf die Beherrschung des Handwerks und ständige Weiterentwicklung. Stillstand langweilt einen nicht nur irgendwann selbst, sondern das merken früher oder später auch die Gäste.
Ich sehe gern DJs, die professionell auftreten, ihre Allüren im Griff haben und sich nicht ständig nur selbst feiern. Es gibt leider zahlreiche Kollegen, denen es primär ums Posen, Saufen und Abschleppen geht. Manche kommen damit sogar durch und ich gönne es ihnen, umgebe mich selbst aber lieber mit denen, die den Job der Musik wegen tun.
Welche Musikrichtung ist am beliebtesten und wird am häufigsten von Ihnen gespielt?
Das hängt natürlich vom jeweiligen Gig ab. Im Club zünden andere Sachen als bei einer Hochzeit, bei Frauen andere als bei Männern, auf einem Housefloor andere als im Rockkeller. Logischerweise sorgen bekannte Titel und Klassiker eher für eine volle Tanzfläche, manchmal reißt es aber auch ein etwas abseitiger Track im richtigen Moment.
Stilistisch funktioniert derzeit housiges ganz gut, wie man auch an den Charts sieht. Bei der Menge an ähnlich klingenden Songs würde mich aber eine baldige Übersättigung samt entsprechender Gegenbewegung nicht wundern. Ich finde momentan Dubstep recht interessant, ist jedoch für den Mainstream vermutlich kein nachhaltiges Thema.
Bei welchen Events legen Sie persönlich am liebsten auf?
Innerhalb meiner regelmäßigen Bookings ist das sicherlich die “Schöne Party” von Radio EINS in der Berliner Kalkscheune, weil dort der Geschmack des Publikums meiner Spielweise am nächsten ist und ich viel ausprobieren darf. Seit 2009 genieße ich es außerdem, im April und Oktober je zwei Mal in Göttingen bei Norddeutschlands größten Studentenparties aufzulegen, weil ich dort auf großer Bühne vier Stunden Vollgas geben kann und am Ende in 4000 glücklich erschöpfte Gesichter sehe.
Grundsätzlich freue ich mich stets über Angebote, die mich fordern und bei denen ich mich weiterentwickeln kann. Da gibt es immer mal wieder reizvolle Konzepte, für deren Umsetzung ich sogar intensive Vorbereitungen in Kauf nehme. Aber ich schwelge auch gern mal in Erinnerungen und präsentiere schillernde oder längst vergessene Perlen meiner Jugend, am liebsten denen, die ebenfalls noch wissen, wie es sich damals angefühlt hat.
Was war das Skurrilste, das Ihnen auf einer Party passiert ist?
Ein mir völlig unbekanntes Mädchen trat ans Pult und legte in drei Worten fest, jetzt meine Freundin zu sein. Sie sollte für einige Jahre recht behalten.
Eine dreitägige Hochzeit in Österreich gehörte sicherlich zu meinen diesbezüglichen Highlights. Leider hatte niemand die dortige Sperrstunde einkalkuliert. Der Bräutigam schwört seitdem: “Die besten Parties beendet immer noch die Polizei!”.
Denkwürdig war auch ein Open-Air-Gig in praller Sonne, bei dem sich damals viele CDs ungünstig verformten und ich mit dem verbliebenen Material improvisieren musste.
Ansonsten findet sich das Skurrile oft eher im Kleinen: seltsame Musikwünsche und deren absurde Übermittlung, cholerische Veranstalter, technischer Totalausfall durch verschüttete Getränke, oder Abende, an denen im Viertelstundentakt Gäste zu einem kommen und abwechselnd versichern, man sei der schlechteste bzw. der beste DJ, den sie je gehört hätten. Glücklicherweise überwiegt zumeist letzteres.
Warum ist ein professioneller DJ für eine gelungene Party unabdingbar?
Vor allem, weil er das Publikum durch die Auswahl der Musik und den perfekten Mix in einen Rausch versetzen kann, wie es der “Cousin, der auch mal so ein DJ-Programm runtergeladen hat” nur selten hinbekommt. Der Kunde kann sich bei einem Profi voll darauf verlassen, dass seine inhaltlichen wie technischen Vorstellungen von einem erfahrenen Spezialisten umgesetzt werden, besonders wichtig bei einmaligen Veranstaltungen wie Hochzeiten.
Ein Profi weiß mit dem Ablauf einer Party umzugehen, hat die Lautstärke im Griff, reagiert flexibel auf plötzliche Einfälle der Gäste oder sonstige unvorhersehbare Ereignisse und bringt selbst die lahmste Gesellschaft auf Trab.
Kurz: er ist am Ende jeden Cent wert, den man bei besagtem Cousin womöglich gespart hätte.
Wie haben Sie als DJ angefangen, wie kam es dazu?
Wie bei den meisten begann es während der Schulzeit mit der Begeisterung für Musik am heimischen Radio. Mein erster Kassettenrecorder wurde zum ständigen Begleiter. Das steigende Bedürfnis, diese Begeisterung mit anderen zu teilen, führte zu stundenlangen Treffen mit Freunden, bei denen wir uns durch die jeweiligen Sammlungen hörten, Songs überspielten, Titellisten erstellten und endlose Geschmacksdiskussionen führten.
Eines Tages bot ich mich in der Schule für eine der anstehenden Parties an und wusste schon bei der ersten, dass das genau mein Ding war. Später gründete ich einen Lehrlingsclub mit, organisierte dort Events und begegnete dadurch immer mehr Leuten, die meine Talente für ihre Veranstaltungen gebrauchen konnten. Ich unterhielt mich mit den DJs meiner Stammdiskos und begleitete einige zu Auftritten. Das Tragen ihrer Koffer wurde mit dem Einblick in eine verheißungsvolle Welt vergolten.
Irgendwann durfte ich dann auch mal ran, weil der Meister auf’s Klo musste, und ich erinnere mich heute noch mit Gänsehaut an das unbeschreibliche Gefühl, den ersten Track in einem richtigen Club abzufahren und zu sehen, dass die Leute drauf abgehen. Das war ab sofort meine Droge…
Sie fingen 1994 an, erfolgreiche Radio-Hit-Mixe bei bekannten Sendern wie 104.6 RTL zu produzieren. Wie kam es dazu und inwieweit betreiben Sie diese Aktivitäten noch?
Ein befreundeter DJ wurde im Club von einem Musikredakteur des Senders angeheuert und wir begannen als Team, jede Woche zwei Mixe mit Dance Classics zu basteln, zunächst an einer gebrauchten Bandmaschine, später in den RTL-Studios. Ab 1996 machte ich allein weiter und produzierte wöchentlich 6 bis 8 Mixe mit den Hits jener Zeit, nun an meinem ersten digitalen Schnittsystem im eigenen Studio. Gerade die Möglichkeiten des Timestretchings hatten mich voll angefixt, auch wenn es seinerzeit noch teilweise Stunden dauerte, wenige Sekunden zu berechnen.
10 Jahre lang lief die Mixshow, zeitweise auch bei weiteren RTL-Ablegern in ganz Europa, und fiel schließlich einer Formatumstellung zum Opfer. Danach zeigten einige Sender Interesse, es scheiterte jedoch stets an finanziellen oder politischen Gegebenheiten.
Die veränderte Radiolandschaft mit ihren größtenteils verflachten Programmen bietet mittlerweile nur noch wenig Spielraum für Innovatives. Besonders Formate, die auf den ersten Blick mehr kosten als sie einbringen, haben es schwer, so auch die Mixe.
Die wenigen Stationen, die noch derlei Produktionen im Programm haben, lassen diese umsonst von Praktikanten produzieren, was man den Mixen leider auch anhört, oder sie nutzen syndikatisierte Angebote. Dadurch senken sie zwar die Kosten, bekommen aber eben auch kein speziell auf ihre Hörerschaft zugeschnittenes Produkt. Aber gerade die Einbeziehung aktueller Researchergebnisse in Verbindung mit clubtauglichem Mixstil war bei meinem damaligen RTL-Engagement der entscheidende Punkt für den jahrelangen Erfolg.
Heute produziere ich in den BOW-tanic Studios neben eigenen Songs, Remixen für DJs und internationale Künstler sowie Musik für Werbung auch nach wie vor Mixe, zur Zeit aber vor allem als Einzelaufträge für Clubs und andere Einrichtungen oder für die Nutzung im Internet. Selbstverständlich würde ich das gern auch wieder für’s Radio tun und bin stets offen für entsprechende Ideen.
Von wem würden Sie gern einmal gebucht werden und warum?
Mich faszinieren seit einigen Jahren besonders die Entwicklungen im Bereich der DJ-Controller. Ich nutze mehrere solcher Geräte intensiv, programmiere sehr viel selbst und bin zudem immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Darum fände ich ein Angebot in dieser Richtung höchst interessant, vielleicht von Leuten, die auch das Handwerkliche dieser noch recht neuen DJ-Kunst zu schätzen wissen.
Ansonsten hatte ich das Glück, bisher schon viele gute Namen zu meinen Kunden zählen zu dürfen und bei einer Menge toller Events aufzulegen. Somit fällt es mir schwer, hier konkrete Personen oder Institutionen zu nennen. Jeder Auftrag kann spannend sein, eine kleine Kellerparty genauso wie ein Festival. Vielleicht lässt sich sagen: alles, was ich so noch nie gemacht habe, ist absolut willkommen – anderes ebenso ;-)
Eventmarkt.de sprach mit Jürgen Schleife alias DJ BOW-tanic, seit den frühen 1990ern in der Berliner Musik-Szene als DJ & Produzent erfolgreich. Seine Markenzeichen sind der perfekte Mix, die Nutzung modernster DJ-Technik und hohe musikalische Kompetenz. Weitere Informationen, Referenzen, Auftritts-Termine, Fotos, Videos, Songs, Mixe und vieles mehr gibt es stets auf www.bow-tanic.de. DJ BOW-tanic kann weltweit für Parties und Events gebucht werden unter 0171 / 427 3277 oder dj@bow-tanic.de.







